Schamanisches Reisen für Autoren

Schamanisches Reisen für Autoren

30.11. / 1.12. 2019

Heimsheim

 

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„Eine der wichtigsten Aufgaben des Schriftstellers ist es, seine eigene Stimme zu finden. Es dauert lange, durch die mehr oberflächlichen Stimmen durchzudringen und die tiefe Signatur deines Andersseins zu berühren“, schreibt der irische Dichter und Bestsellerautor John O’Donohue.

In diesem Workshop geht es darum, eine tiefere Ebene unserer Kreativität zu erreichen, die wir weder kontrollieren noch manipulieren können, die uns jedoch mit unserer unverwechselbaren Vorstellungskraft und Ausdruckskraft in Verbindung bringt. Dort treffen wir auf Weisheit, Imagination, Musen, Archetypen und innere Führung, die uns neue Möglichkeiten für unser Schreiben, unsere Stoffe und unsere Entwicklung als Autor eröffnen.

Ob Sie schon lange schreiben oder mit dem Schreiben beginnen, jeder Autor steht irgendwann vor dem Eingang zur Höhle und muss sich entscheiden, ob er eintreten will. Dieser Schritt verlangt Mut und bringt Überraschungen und Wunder zum Vorschein. Wir werden geführte Reisen unternehmen in die Obere Welt, die Untere Welt und zu unserem Traumhüter. Wir werden darüber schreiben. Den Seminarabend werden wir gemeinsam verbringen.

O’Donohue schreibt weiter: „Im alten Irland galt die Berufung zum Dichter als eine göttliche Gabe. Der Dichter vereinigte in sich die übernatürliche Seherkraft des Druiden und die Macht der Kreativität. Er hatte Zugang zu Geheimnissen, die der breiten Masse vorenthalten waren.“

Vielleicht entdecken wir in uns die Kraft des alten Geschichtenerzählers, des weisen Poeten und Reisenden zwischen den Welten, der seinen Lesern Dinge zu erzählen hat, die nie zuvor erzählt wurden, auf eine Weise, die niemand zuvor gehört hat.

Voraussetzung: Schreiberfahrung ist nicht nötig, aber psychische Stabilität und der Mut, sich unerwarteten Erfahrungen auszusetzen. In Arbeit befindliche Projekte können mitgebracht werden.  

 

In diesem Video stelle ich das Seminar persönlich vor. 

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Ort:  Mittelberg 2, 71296 Heimsheim, Barockreitzentrum
Mehr Infos zum Organisatorischen  hier

1.12.2019  

Ulrike Schmied
Autorin sucht Krafttier – der Wal

«Sie fragt nach dem See»

«Sie fragt nach dem Weg»

«Sie fragt nach dir»

«Sie sucht nach dir», spüre ich Sonar in leichten Wellen an meiner rechten Seite. Es kitzelt ein wenig. Wenn sie ruft, wenn sie mich sucht, so mache ich mich auf den Weg. Schneller als man meinen könnte bei meiner Masse. Mehrere Tonnen, sagen die Menschen. Das Wasser strömt an mir vorbei, ich liebe den leichten Widerstand, der mich trägt.

Ich bin schon da, bevor sie am Strand ist. Mein Herz spricht zu ihr: «Ich bin hier» und schenke ihr alle Liebe, den Segen der Krafttiere.  Sie hat mich gefunden und ich sie. Und dann? Sie zweifelt! Steht am Strand und weist mich ab! Wie eine Wand prallt alles ab und zu mir zurück. Ganz schön mächtig. Ich bleibe völlig verdattert zurück. Bin leicht verstimmt. Und doch, ich kenne sie. Sie glaubt es nicht. Sie lernt. Sie wird wiederkommen. Und dennoch ballt sich Ärger zusammen. Nur ein wenig, doch in einem Walkörper kann das schon Dimensionen annehmen. Ich sinke ein bisschen tiefer in den Sand, wedele ein paar Wellen mit meiner Flosse auf.

«Sie weiss nicht weiter», spüre ich die Nachricht. Das stimmt mich milder.

«Hilf ihr. Du kennst sie.»

Ich schicke ihr Wasser, es spült sie an den Strand zurück. Tropfnass sitzt sie da und rappelt sich auf.

«Bist du mein Krafttier?», fragt sie.

«Ja», sage ich.

«Bist du wirklich mein Krafttier?»

Ich schnaube empört aus. Ihre Haare werden waagrecht nach hinten geweht, sie bleibt standhaft. Völlig gelassen. Stark! Ich bin stolz auf sie. Liebe flutet wieder aus mir heraus und umfängt sie. Sie ist mein Mensch. Sie fragt mich um Rat. Ich schicke ihr Bilder, die sie versteht, bette sie in Grün und weiches Wasser.

«Ich danke dir», sagt sie.

«Wir bleiben verbunden», puste ich ihr zu.

Ich tauche unter – sie taucht auf.